KH #070

Anna Rose
& Janean Williams

Hairpicnic

ARBEIT VOR ORT
14. – 22. August 2015

ÖFFNUNGSZEITEN
Freitag, 14. bis Montag, 17. August . 19-21 Uhr
Dienstag, 18. + Donnerstag, 20. August . 17-19 Uhr
Mittwoch, 19. + Freitag, 21. August . 14-16 Uhr

ABSCHLUSS-EVENT
Samstag, 22. August 2015 . 20:00 Uhr

English Text below

Hairpicnic

Im August laden im KloHäuschen Janean Willimas und Anna Rose ein, beim Hair Picnic gemeinsam darüber nachzudenken, auf welche Weise Haare und Essen das Versinnlichte, Fetischierte und Dämonisierte aktivieren, also, wie werden Haare und Essen benutzt, um Erzählungen über unsere (imaginierte) gemeinsame Geschichte zu konstruieren? Wann kippt unsere Lust auf den Genuß von Geschmack und Berührung hinüber in den Verfall, und wann wiederum in Ekel? Was passiert, wenn man sich diese Fragen angesichts des Großmarktes stellt? Oder im Kontext des KloHäuschens, das ja früher als Pissoir gearbeitet hat?

In ihrer Arbeit beziehen sich die beiden Künstlerinnen auf Traditionen von Stilleben und Vanitas Malereien, fügen eine große Portion amerikanischen Kitsch hinzu, angereichert mit Ken Puppen, Dosenschinken und einem Gummihuhn. Hair Picnic im KloHäuschen wird besser, unheimlicher (und haariger) als je zuvor.

Anna Rose (Florenz) und Janean Williams (San Francisco) lernten sich während eines Aufbaustudiums am San Francisco Art Institute kennen. Sie entdeckten eine gemeinsame Linie in ihrer Arbeit, und so begannen sie, eine Reihe von Videos und Installationen zu entwickeln, in denen sie sich mit dem psychologischen, kulturellen und historischen Gewicht des Haares auseinandersetzen. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, eine Ausstellung mit dem Titel „Crosshairs“, präsentiert 2013 in San Francisco, zeigte auch die erste Installation des „Hair Picnics“. Im für die Künstlerinnen ungewöhnlichen Umfeld des KloHäuschens fügen sie dieser Arbeit noch eine investigative Ebene hinzu, die die Grenzen zwischen öffentlichem und privaten Raum vermischt und den intimen (und vielleicht für manchen auch unappetitlichen) Raum des KloHäuschens zu einer Bühne für Essen, Objekte und Haare macht, die wollen, daß man sie probiert, berührt und mit ihnen spielt.

Die Künstlerinnen sind von 14. bis zum 22. August im KloHäuschen bei der Arbeit. Ihre genauen Anwesenheitszeiten werden beim KloHäuschen bekanntgegeben. Zur finalen Hair Picnic Party laden wir am Samstag, 22. August um 20 Uhr.

www.annamrose.com
www.janeanwilliams.com

Der Aufenthalt von Anna Rose & Janean Williams in München wurde unterstützt durch das Kulturreferat der LH München.

Hairpicnic

Together with the public, Janean Williams and Anna Rose consider how both hair and food are activated as entities of the sensualized, fetishized, and demonized, how are hair and food used in the construction of narratives about our (imagined) collective history? When does our lust for the pleasures of taste and touch cross over into decadence, and then again into disgust? What happens when you ask these questions in the space of the marketplace? Or in the context of a former urinal?

The installation draws on traditions of still life and vanitas painting, with a heavy dose of Americana kitsch, complete with Ken dolls, a canned ham, and a rubber chicken. Hair Picnic at Das KloHäuschen is going to be better, scarier (and hairier) than ever.

Anna Rose and Janean Williams met as graduate students at the San Francisco Art Institute. Finding a common thread between several of their works, Anna and Janean began developing a series of videos and installation pieces engaged in conversation with the psychological, cultural, and historical weight of hair. The result of their collaboration, a show entitled Crosshairs presented in San Francisco in 2013, included the first installation of Hair Picnic. Within the unusual context of Das KloHäuschen, the artists add a layer of investigation to the piece, which confounds the lines between a public and a private space, the intimate (and perhaps unappealing) space of the former urinal turned into an series of stage-like alter pieces of food, objects, and hair meant to be tasted, manipulated, and played with.

www.annamrose.com
www.janeanwilliams.com

The stay of Anna Rose and Janean Williams in Munich has been supported by the cultural department of Munich, Visual Arts.

Süddeutsche Zeitung, 17. Aug. 2015

Sendling

Haariges Picknick

16. August 2015, 18:45 Uhr | Lesezeit: 2 Min.

Ein Bericht Von Jutta Czeguhn

Im Klohäuschen an der Großmarkthalle loten zwei amerikanische Künstlerinnen die Grenze zwischen Schönheit und Ekel aus. Mit Fragen nach dem Sinn des Ganzen rechnen sie fest

Wo einst Urinale angebracht waren, quillt dickes, schwarzes Kunsthaar lawinenartig aus der Wand und gleitet an den beigefarbenen Kacheln zu Boden.
Auf diesem synthetischen Teppich sind Käsestücke, Kuchen und Würste drapiert. Dazwischen sieht man Ken-Puppen in Conchita-Wurst Fummeln. (…) Das Tableau wäre unvollständig beschrieben, ohne das gelbe Plastikhuhn zu erwähnen, den Bierkrug, die Häkeldeckchen, den Porzellanschwan, die Saftpresse und die Pfauenfeder.

Dies ist das Setting für das „Hair Picnic“, zu dem bis 22. August die US-Amerikanerinnen Janean Williams und Anna Rose ins KloHäuschen an der Großmarkthalle laden.


„It’s going to get weird and hairy – es wird schräg und haarig“

, lautet ihre Warnung. Ästhetische Erfahrung über den Weg des Abscheus, Provokation als Kunst Strategie?

Wer dieser Tage (…) vorbeischaut, trifft auf zwei Künstlerinnen, die ihre Arbeit sehr ernst nehmen, dabei aber auch endlos lustig sein können.

„Gott, ist das eklig!“ – natürlich gebe es derlei Kommentare zu ihrer Installation, sagt Janean Williams, 54, die Ruhigere des Duos. „Aber genau das gehört zum Spektrum der Reaktionen, an denen wir interessiert sind“, ergänzt Anna Rose, 33.

… Auch auf die Gretchenfrage sind die beiden vorbereitet: „Soll das Kunst sein?“

Seit 2009 stellt sich das KloHäuschen mit seinen acht Quadratmetern ganz der Klärung dieser Frage. Und öffnet dabei neue Perspektiven. Anja Uhlig hat das alte Pissoir vor sechs Jahre angemietet. (…) Sie selbst hat die schöne Angewohnheit, vom KloHäuschen wie von einem Freund zu sprechen, dem sie nun auf seine alten Tage ein spannendes Leben mit immer neuen Bekanntschaften ermöglicht.

Von den Gästen – den Künstlern – erwartet sie, dass sie mit diesem besonderen Ortin sinnliche Kommunikation treten.

„Das KloHäuschen möchte berührt werden“, sagt Uhlig und streicht zärtlich über die Glasbausteinwand vis-à-vis der Eingangstür. …

Man könnte sie deshalb als Betreiberin oder Kuratorin bezeichnen.

Eine unappetitliche Vorstellung für manche Besucher, erzählt sielachend, „als hätte ich hier noch nie geputzt“.

Für das Hair Picnic von Janean Williams und Anna Rose ist der Mini-Kunstraum an der Großmarkthalle wie geschaffen. Es geht ihnen mitdieser Installation darum, Grenzen menschlichen Empfindens auszuloten. „Solange Haare am Kopf sitzen, sind sie Ausdruck von Schönheit, Reichtum, Fetisch. Abgelöst vom Körper, bekommen sie sofort eine negative Qualität“, erläutert Anna Rose, die aus Massachusetts stammt, aber in Florenz lebt und arbeitet. Nicht anders verhält es sich mit dem Essen. Wann kippt die Lust auf den Genuss von Schönheit, Berührung und Geschmack ins Dekadente, rutscht ab in den Ekel? Die Nahrungsmittel, die die Künstlerinnen auf dem Haarteppich auslegen, faulen. Es sei denn, sie werden von den Besuchern, Fliegen oder Ameisen verspeist. Schönheit, Verfall. Wem das bekannt vorkommt?

„Wir zitieren mit dem Hair Picnic die Vanitas-Stillleben des Barock“, sagt Janean Williams. Damit sich im KloHäuschen die Memento-Mori-Schwere nicht festsetzt wie Urinstein, hat Williams ihre Ken-Figuren mitgebracht. Hübsch frech erinnern Barbies Partner an die Zeit , als das Pissoir noch ein öffentlicher Ort ganz privater männlicher Bedürfnisse war.

Verbindungen …

Dieser Gast hat schon mehrfach mit dem KloHäuschen zusammen eine Arbeit realisiert – oder hat zu einer gemeinsamen Veranstaltung eine Arbeit beigetragen:

KHBi3
3. KloHäuschen Biennale
Biennale der vernachlässigten Lebensformen

02. – 09. Juli 2016
#070
Anna Rose & Janean Williams
Hair Picnic

14. – 22. Aug 2015

KH #010

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