Du sollst Dir kein Bild machen
 
Vor genau einhundert Jahren erklärt Marcel Duchamps das Becken eines Pissoirs zum Kunstwerk und schafft damit die Idee des Readymades. Seine Arbeit ‚Fontaine‘ hat bis heute einen entscheidenden Einfluss auf die bildende Kunst. 2017 sieht der Berliner Galerist, Kurator und zwischenzeitlich auch bildende Künstler Alexander Ochs das KloHäuschen als Readymade, wie er auch den Text aus 2. Mose 20:4 ‚Du sollst dir kein Bild machen‘ als einen der einflussreichsten Texte einer mehr als zweitausendjährigen Kunst- und Kulturgeschichte betrachtet. Immer wieder haben sich Autoren, Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler mit den Fragen von Bilderlosigkeit, Bildverbot und Abbildbarkeit beschäftigt. Während das Christentum und der Hinduismus als die älteste der Weltreligionen sich figurativer Kunst und damit der Abbildung bedient, verzichten Islam und Judentum bis heute auf die In-Bild-Setzung Gottes und pflegen die Abstraktion.
 
Die Arbeit von Alexander Ochs bewegt sich zwischen Bild und Bildverbot, zwischen Figuration und Text. Sprache und Inhalt der Zehn Gebote, aus denen der Titel für seine Installation mit dem KloHäuschen entliehen ist, sind für ihn weitergehend und damit Hinweise sowohl in die Transzendenz wie auch das menschliche Mysterium in all seinen Widersprüchen.
 
Alexander Ochs: ‚Mich fasziniert die Tatsache, Kunst mit einem Raum stattfinden zu lassen, der dem Publikum quasi nicht zugänglich ist. Ein äußerer Raum, im dem sich die Kunst mit der Kunst unterhält und damit eine Berührung schafft an einem Ort, der obgleich introspektiv seine Wirkung auch nach außen entwickelt.‘