Gruta de Saudade
Eine Bedürfnisanstalt und audiovisuelle Ode an den portugiesischen Umgang mit Sehnsucht, Melancholie und Meeresfrüchten.
 
Als ein "Bitteres Vergnügen von Unglücklichen", eine "köstliche Qual durch grausamen Stachel" definiert Almeida Garrett in seinem Gedicht Cames (19.Jh.) den Begriff Saudade, der bis heute mit verantwortlich ist für das Klischeebild von der portugiesischen Seele, jener Melancholie in Meeresnähe, das in keinem Reisebericht oder Artikel über Portugal fehlen darf.
Die Saudade bezeichnet demnach häufig die Verbindung zweier paradoxer Begriffe, unter den Romantikern des 19.Jh wurde sie mehr und mehr mit räumlichen Trennungen verbunden, dem sehnsuchtsvollen Blick in ferne Gestade, nach der Entdeckung neuer und ferner Länder und der bei Ankunft am Ort der Verheissung auftretenden Sehnsucht zur Terra Me, dem Mutterland.
Fernweh und Heimweh, Schmerz und Lust, Ambivalenz der Gefühle also.
Aber vielleicht ist es auch nur der wunderschöne Klang des Wortes, oder der Appetit auf einen in Knoblauchöl gegarten Tintenfisch mit Vinho Verde, der uns dieses Wort so gefallen lässt...
 
Wenn also das KloHäuschen ein portugiesisches Gewand bekommt und zu einer Grotte der Saudade, einer Art ästhetischem Reisebericht wird, werden die Klischees, die einen verfolgen, umarmt, schmerzhaft und lustvoll zugleich.
 
Carolin Wenzel, geb. 1982, studierte an der Kunstakademie München, unternahm bereits im Studium zahlreiche Reisen, die oft als Inspiration der eigenen Arbeiten dienen und unterrichtet Kunst am Gymnasium.
 
Bis Ende August 2017 lebte sie zwei Jahre in der portugiesischen Hafenstadt Porto, die neben der Sprache auch viel ästhetischen Input bot und verleiht dem Klohäuschen einen portugiesischen Anstrich mit audiovisuellen Skizzen ihrer temporären Wahlheimat, der sie nun, seit wenigen Wochen zurück am Herkunftsort mit bayerisch-portuensischer und ebenso schwelgerischer Sehnsucht verbunden ist.