Visite
 
Das KloHäuschen Monika Kapfer
 
Das KloHäuschen ist klein. Die eingeladenen Gäste sind groß: ausladende Objekte ohne Neigung zu Flexibilität. Ja, passen die überhaupt da rein? Eine Gestaltung von Form und Raum. „Und ich?“ wird sich der Besucher fragen. Auch Besucher finden ihren Platz, es ist eine Frage der Haltung: Mit aufrechtem Interesse und der Bereitschaft zur Verrenkung erfahren sie ungeahnte Möglichkeiten der eigenen Gestalt.
 
Das KloHäuschen Monika Kapfer
 
Zur Eröffnung, von Tommy Schmidt:
 
Die kurvenreiche Anreise war voller Tücken: Der Verkehr und seine Planer scheren sich nicht um Überlängen einzelner Teilnehmer, die liegend transportiert gehören. Jetzt sind wir froh, heile angekommen zu sein.
 
Wir wurden eingeladen in einen Raum, der nicht für uns gemacht wurde. Unser Nettovolumen ist verschwindend im Vergleich zu unserer räumlichen Inanspruchnahme. Wir werden nicht anecken, flexibel sind wir aber auch nicht.
Wir versperren und schränken so Ihre Möglichkeit ein, sich während unseres Aufenthaltes frei zu bewegen. Was aber dazu führen mag, dass Sie eigene Beweglichkeiten überhaupt erst entdecken. So sei dies Ihr Trost – und unser Verdienst.
Es scheint, als erschienen wir in Überzahl. Lassen Sie sich nicht täuschen! Ein optischer Effekt, der übrigens jeden Besucher scheinbar vervielfältigt. Es sei denn, er – oder sie – ist ein Geist.
 
Unser Auszug wird geordnet ablaufen müssen. Eine einzigartige prozessuale Herausforderung. Jetzt haben wir aber erst einmal unsere Plätze eingenommen und wenig Neigung, diese wieder aufzugeben. Nun gut, jede Visite hat ihr Ende. Aber – wir bitten um Nachsicht – man wird uns hinaustragen müssen.
Noch eine Bitte: Berühren Sie uns gerne – aber bewegen Sie uns nicht. Da verstehen wir überhaupt keinen Spaß.
Wir bedanken uns für die Einladung und wünschen einen gelenkigen Aufenthalt.
 
Das KloHäuschen Monika Kapfer
Das KloHäuschen Monika Kapfer
 
Monika Kapfer geht mit ihren Installationen auf die jeweilige räumliche Situation ein. Die Objekte für das KloHäuschen kennen kein Oben und kein Unten, kein Hinten und kein Vorn. Für einen begrenzten Zeitraum spreizen sie sich zwischen die Wände des KloHäuschens, finden und geben Halt. Ohne Wände, Decke und Boden würde die verzweigte Form, die sie bilden, nicht entstehen können.
 
Monika Kapfer *1970, Studium an der Akademie der Bildenden Künste München.
 
Das KloHäuschen Monika Kapfer